Maria Viktoria Gräfin von Attems-Heiligenkreuz

Ein Künstlerleben im Geist der Tradition der k.u.k. Monarchie

von Peter Rath

Die Vorfahren

Die Familie Attems, kath. Uradel der früheren Markgrafschaft Friaul, nach der 1025 erwähnten Burg Attems bei Cividale benannt, mit Konrad de Attems 1102 zuerst erwähnt, beginnt mit Arbo und Henricus de Attems am 2.2. bzw. 6.2.1170 urkundlich die Stammreihe der Familie. Das Geschlecht hatte Sitz und Stimme unter dem Adel im Friauler Parlament. Während nach der Eroberung Friauls durch die Republik Venedig ein Teil der Familie auf Burg Attems (Attimis) verblieb, zog Friedrich, geb. 1447, gest. 1521, nach Görz, und wurde 1473 Kanzler des letzten Grafen von Görz. Er wurde als solcher 1500 von Kaiser Maximilian I. bestätigt, und 1506 Regent von Niederösterreich Die Familie M a r i a V i k t o r i a Josepha Mathilde Jacqueline, Reichsgräfin von Attems-Heiligenkreuz, erblickte in Wien am 8.12.1899 die Welt. Sie starb am 25.6.1983. Der Vater, V i k t o r Karl August, Reichsgraf von Attems-Heiligenkreuz geboren am 27.7.1864 in der gefürsteten Grafschaft Görz, gestorben in Millstatt am 16.10.1949, war Präsident der österreichischen Seebehörde in Triest, und Komtur des Franz-Joseph-Orden. Die Mutter, Mathilde Dorothea Ludovika Schürer von Waldheim ( eine aus Sachsen im 16. Jh. nach Böhmen eingewanderte Glasmacherfamilie, Adel mit „Walthaimb“ Prag 1.7.1592 für … s. ÖFA I ), wurde in Wien am 27.10.1868 geboren, sie starb in Graz am 24.6. 1942.
 
Maria Viktoria heiratete in Graz, am 8.Mai 1940 den Marchese Riccardo Pallavicino , Kgl. Ital. Res.-Offiz. im Dragoner Regiment Savoia, Sohn des Marchese Rolando Pallavicino und der Marchesa Bianca Pallavicino, geborene Reichsgräfin von Terlago aus Trient Die Ehe blieb kinderlos. Maria Viktoria adoptierte am 20.10.1965 einen entfernten Neffen, Graf Victor von Attems-Gilleis, geboren am 25.3.1956 in Diadema, Argentinien Von ihrem Ehemann erbte sie die Hälfte des Schlosses Terlago, welche nun im Besitz ihres adoptierten Neffen ist. Die andere Hälfte gehört der Familie Pallavicino.Lebenslauf 1906 – 1915 Volks- und Bürgerschule in Triest, 1915 – 1917 Krankenpflegekurs Sacre Coeur in Graz, 1917 – 1922 Dipl. für Französisch Lehrerin an der Universität Graz, 1922 – 1923 Haushaltsschule, 1923 – 1934 beschäftigt im elterlichen Saisonbetrieb, Hotel Seevilla in Millstatt, 1932 – 1933 Handelsschule in Wien, 1935 – 1951 Führung Seevilla, 1951 – 1972 Führung Rosenhof, 1951 – 1972 Führung Strandkaffe (seit 1958 verpachtet), 1951 – 1972 Führung Campingplatz (seit 1970 verpachtet), 27.11.1972 Rücklegung aller Konzessionen. Werdegang der Künstlerin Nach dem etwas trockenen Teil der Familiengeschichte, die aber zum Verständnis der Person notwendig war, nun zurück zum Werdegang der Könstlerin.
Sie erbte Ihr Zeichentalent von Ihrer Mutter Mathilde, deren Landschaftsaquarelle sich noch im Besitz der Familie befinden. Bereits im Alter von 12 Jahren erstellte sie Ahnentafeln der Familie Attems, welche sie mit gemalten Wappen dekorierte.
Ihre Kindheit verbrachte sie in Triest und Graz. Sie studierte an der Kunstschule in Graz bei Anton Marussig, Daniel Pauluzzi und Alfred von Schrötter. Später auch in München und Rom.
Während vieler Reisen durch Italien und Österreich, entstanden zahlreiche Federzeichnungen und Skizzen von bedeutenden Bauwerken und von Landschaften (Veduten von Udine, Görz und Umgebung, von fast ganz Friaul).
Später in Wien eine Serie von bedeutenden Bauten (Museo di storia naturale a Vienna, Palazzo Arcivescolvile, Monumento a Mozart, Kahlenbergerstraße, Leopoldsberg, Pratermotiv) sowie Ansichten von Tiroler Schlössern, Klöstern und Villen.
Wie Maria Viktoria auf das Exlibris kam ist nicht geklärt, doch zweifellos konnte kein Künstler dem „Exlibrisfieber“ dieser Epoche entgehen. Die Jahre zwischen 1890 und 1925 wurden zur qualitativen und quantitativen Blütezeit der kleinen Blätter. In diesem Zeitraum entstanden allein in Deutschland schätzungsweise an die 100.000 verschiedene Exlibris.
Wie sehr die Künstlerin der Faszination des Exlibris erlegen ist, bezeugen bis jetzt 32 entdeckte Exlibris und 4 Entwürfe. Ihre Arbeiten sind sorgfältig ausgeführt, und wirken mit heraldischen und topographischen Details sogar oft ein wenig überladen. Abgebildet sind vor allem Schlösser, Burgen und Herrenhäuser, oft mit dem Familienwappen des Exlibriseigners.
Ihre künstlerische Tätigkeit umfasste ein breites Spektrum. Buchillustrationen, Postkarten, und sogar der Entwurf von Briefmarken war ihr nicht fremd. Die Exlibrisabbildungen wurden freundlicherweise von Frau Dr. Claudia Karolyi, aus der Franz Kubat Sammlung im Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek zur Verfügung gestellt. EXLIBRIS FüR MARIA VIKTORIA GRÄFIN ATTEMS, AUS DEM JAHRE 1930!


In der oberen Hälfte das Wappen von 1630, das mit dem Grafenstand verliehen wurde. Geviert mit rotem Mittelschild, worin der aus dem unteren Rand hervorwachsende Rumpf eines silbernen Bracken mit Gold eingefasstem und beringten roten Halsband. In 1. und 4. in Gold ein schwarzer, Gold gekrönter und bewehrter Doppeladler; 2. und 3: in Rot von unten aufsteigende aus der halben Höhe des Schildes über sich emporgehende ganze silberne Spitzen. Interessant ist in diesem Fall, dass sich Gräfin Attems etwas abseits der heraldischen Gepflogenheiten bewegt hat , da für Damen die normale Schildform nicht üblich war bzw. ist, da sie ja mit Ausnahme der Jungfrau von Orleans nicht kämpfen mussten. Aus selbigen Grund ist es ziemlich schlechter Stil, einem Damenwappen einen Helm mit zu geben. Statt dessen hat sich eingebürgert, dass die edelgeborenen Damen einen rautenförmigen „Schild“ führen, der sich gerade für vierfelderige Wappen außerordentlich gut eignet. Der Wahlspruch ganz oben „Die in den Sälen haben mich nie bewogen, die in den Särgen lenkten Herz und Hand“, stammt von Börries von Münchhausen. In der unteren Hälfte des Blattes, auf einer linken aufgeschlagenen Buchseite der Eignername der Exlibrisbesitzerin, rechts davon der nicht mehr vorhandene Turm auf Burg Attimis im Friaul. Der Vordergrund des Blattes bezeugt die ihre Liebe zu Katzen und zur Malerei. EXLIBRIS FÜR BARON UND BARONIN (FREIHERR UND FREIFRAU) RUDOLF UND JACQUELINE VON ISBARY. ENSTEHUNGSJAHR UNBEKANNT.


Für Rudolf Freiherr von Isbary , geb. in Wien am 16.5.1858, Großindustrieller gest. in Wien 28.3.1932; verh. zu Millstatt am 30.5.1885 mit Jacqueline Schürer von Waldheim ,geb. in Ober-Döbling am 26.10.1859, gest in Wien 6.3.1936. Abgebildet ist rechts im Exlibris die Seevilla am Millstätter See, die Wirkungsstätte von Maria Viktoria Gräfin von Attems- Heiligenkreuz. Verwandt mit dem Haus Österreich ist dieser Teil der Grafen von Attems-Gilleis über Kronprinz Rudolf und seiner Gemahlin geb. Prinzessin Stefanie von Belgien bzw. über deren Tochter Elisabeth Maries ersten Gatten, Otto Fürst zu Windisch-Graetz.
Deren Sohn Ernst Weriand Prinz zu Windisch-Graetz heiratete in zweiter Ehe Eva Freiin von Isbary. Deren jüngste Tochter Elisabeth, ist mit Grafen Christian von Attems – Gilleis verheiratet.  
  EXLIBRIS FÜR OTTONIS IMP.(ERATORIS) AUSTRIAE, REG,(IS) HUNGARIE. ENTSTANDEN 1933.


Der als Kronprinz von Österreich und Ungarn 1912 geborene (kais. u. kgl. Hoheit) Prinz und Erzherzog Otto von Österreich, erlangte durch den Tod seines Vaters, Karl I. Kaiser von Österreich apostolischer König von Ungarn, dieses Namens der IV. ect. 1922 nach dem Verfassungsrecht der Monarchie legitimistisch den Kaisertitel. Als Schriftsteller hat er sich auch des Titels Otto von Österreich bedient und führt jetzt den Namen Otto von Habsburg. Doktor der Staatswissenschaften an der Universität von Löwen (unter dem Lothringischen Nebentitel eines Herzogs von Baar erworben), geboren am 20.11.1912: verh. 10.5.1951 mit Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen, Hzgin. zu Sachsen.
In der Mitte das Hauswappen der Habsburger. Der bekrönte Schild zweimal gespalten, rechts der rote gekrönte aufgerichtete Löwe von Habsburg im goldenen Felde, in der Mitte ein silberner Querbalken im roten Felde (Österreich). Zur Rechten das herzoglich-lothringische Stammwappen: drei über einander gesetzte, gestümmelte silberne Adler auf einem schräg rechts gezogenen roten Balken. Bei der Krone handelt es sich um eine siebenbügelige Königskrone, die allen Prinzen und Erzherzögen von Österreich und königlichen Prinzen von Ungarn zusteht. Um das Schild deutlich sichtbar, der Orden vom Goldenen Vließ. Der Orden wird bis heute als Hausorden vom Chef des Hauses Österreich verliehen.
Links im Exlibris der Doppeladler, das Wappen des Kaisertums Österreich mit Reichsinsignien, darüber die „Rudolfskrone“. Angefertigt 1602 in der Prager Hofwerkstatt auf Wunsch Kaiser Rudolf II. (1552-1612), als private, habsburgische Hauskrone. 1804 wurde sie zur Staatskrone des neuen Kaiserreichs Österreichs. Rechts im Exlibris das ungarische Königswappen aus dem Hause Österreich. In der Rechten Hälfte sieben Mal von Rot und Silber geteilt, in der linken Hälfte eine Krone; aus der das Patriarchenkreuz hervorwächst. Darüber die heilige Ungarische Stephanskrone. Das Exlibris selbst, entspricht exakt dem kleinen Wappen von 1915, wobei allerdings das Motto „indivisibiliter ac inseparabiliter“ aus verständlichen Gründen weggelassen wurde.
Kaiser Franz Josef I. legte dieses Wappen in seinem Handschreiben vom 11. Oktober 1915 an Baron Burian wie folgt fest (Auszug): „… finde ich Mich bestimmt, das gemeinsame Wappen, bestehend aus den durch Mein Hauswappen verbundenen Wappen von Österreich und Ungarn … festzusetzten…“  An genealogischer Literatur wurde benutzt:Das seit 1952 ff unter Aufsicht des deutschen Adelsrechtsausschußes hg. GhdA (Genealogisches Handbuch des Adels) insbesondere des in dieser Reihe erschienen Adelslexikons dzt. A – SCHM mit den dortigen Literaturangaben. Aus den versch. Abt. des GhdA, wurden Stammfolgen aus I. Abt. Österreich, II. Abt. Fürsten Windisch-Graetz, Markgrafen Pallavicini s. Adelslexikon, Grafen Attems und Fhr. Isbary s. Lit Adelslexikon, Schürrer – Waldheim s. Österreichisches Familienarchiv Bd. 1963. Marchese Pallavicino s. Annuaro della Nobilita` Italiana.